Claudia


Claudias Aussage

Claudia (45) hat rituelle Gewalt im Alter von 0 bis 18 erlebt – in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Österreich, Belgien und den Niederlanden. «Ich wurde in den Kult hineingeborent», erzählt sie.


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Wie oder durch wen bist Du in Kontakt gekommen mit ritueller Gewalt?

Also ich bin hinein geboren. Meine Mutter war schon mit drin und mein Onkel und meine Oma. Und von daher war ich von Anfang an dabei.

Was sind typische Erfahrungen, die Du als Betroffene(r) gemacht hast?

Extreme Gewalt und Folter. Sexuelle Gewalt, eigentlich alle Arten von sexueller Gewalt, Demütigungen und …

Wo und in welchem Rahmen hat das stattgefunden?

Bei den Versammlungen, bei den Treffen, also bei den rituellen Feiern, bei denen. Also wenn die Treffen waren, aber auch bei Freunden von meinem Onkel. Auch im Rahmen der … wenn … Meine Mutter hat mich auch an andere Männer verkauft, das wurde in einem größeren Rahmen auf Feiern praktiziert.

Was war Deine schlimmste Erfahrung?

Es gibt jetzt nicht „eine“ schlimme Erfahrung. Das ist … das sind … Sondern eher die … Also was besonders schlimm ist, ist die Hoffnungslosigkeit und die Verzweiflung in den Situationen, wenn man da halt mittendrin ist, wenn diese Feiern stattfinden und man wird selber missbraucht oder auch vergewaltigt und man … Man muss zuschauen, wie anderen auch Gewalt angetan wird. Wie einfach schlimme Sachen passieren. Und das ganze Umfeld, also die ganze Atmosphäre, der Geruch, das Ganze. Da entsteht einfach eine Verzweiflung, dass es nie aufhört. Also es gibt kein … Es gibt keine Hoffnung, kein Raus. Und die Würde ist … Man fühlt sich einfach wie ein Mensch ohne Würde. Sie behandeln einen wie … wie jemand, der nur abgerichtet wird, um das zu tun, was sie verlangen.

Wie bringen Täter die Kinder dazu, sich zu fügen?

Es war nie eine Frage, weil ich bin ja da hinein geboren und das war einfach so. Und die Realität war halt so, wenn man … Man hat einfach keine Wahl. Entweder man tut das, was sie verlangen, oder man muss die Konsequenzen tragen. Die Realität ist halt so, wie es halt war.

Hast Du zum Abschluss noch ein persönliches Anliegen bzw. eine Botschaft?

Ja, ich selber habe erlebt, dass Jesus stärker ist als Satan. Und das hat mir sehr geholfen, gibt mir bis heute Kraft. Ich will auch jedem Hoffnung machen, dass er einfach nicht aufgibt. Es gibt einen Weg raus und es gibt auch Heilung. Eben diese Hoffnungslosigkeit und die Verzweiflung, die ich die ganze Zeit hatte, die hatte da praktisch ein Ende. Ich meine keine Kirche oder Institution, sondern wo der Glaube ist.